„Unsere Logistik ist Teil der Wertschöpfung“ – wie MANNOL den strukturellen Herausforderungen im Schmierstoffmarkt begegnet und sich strategisch für die Zukunft positioniert
Der europäische Schmierstoffmarkt ist geprägt von Preisdruck, regulatorischen Anforderungen und einer Konsolidierung im Handel. Gleichzeitig verändern sich die internationalen Absatzmärkte und Lieferketten. Für MANNOL ist das jedoch kein Grund, in die Defensive zu gehen. Im Gespräch erläutert Konstantin Gaab, Geschäftsführer von MANNOL / SCT Germany , wie sich die Marke innerhalb der weltweit agierenden SCT-Gruppe strategisch aufstellt und warum industrielle Integration, Additivkompetenz und Logistikarchitektur künftig über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden werden.
Der Schmierstoffmarkt gilt als reif und stark umkämpft. Wo sehen Sie für MANNOL noch Wachstumspotenzial?
>Konstantin Gaab: Der Markt ist in vielen Regionen gesättigt, das stimmt. Wachstum entsteht hier in erster Linie über Marktanteile, nicht über zusätzliche Volumina. Und genau dort sehen wir für uns Spielraum. Unser Marktanteil in Deutschland liegt noch deutlich unter dem Niveau, bei dem strukturelle Wachstumsgrenzen erreicht wären. Unsere Positionierung ist dabei klar: Breites Sortiment, hohe Standards, fairer Preis! Das ist kein Marketingslogan, sondern eine strukturelle Entscheidung. Wir decken ein breites Produktspektrum ab, erfüllen aktuelle Normen und Anforderungen und kalkulieren bewusst fair. Wir produzieren in großen Mengen, entwickeln wesentliche Komponenten selbst und steuern zentrale Prozesse intern. Dadurch können wir technisch auf hohem Niveau arbeiten und gleichzeitig preislich attraktiv bleiben – nicht als Billiganbieter, sondern als wirtschaftlich effizienter Hersteller.
MANNOL produziert in Litauen und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Welche strategische Rolle spielt diese Doppelstruktur?
Konstantin Gaab:Die Produktionsarchitektur ist ein zentraler Baustein unserer Strategie. In Klaipėda betreiben wir eines der größten Schmierstoffwerke Nordeuropas. In Jebel Ali in den VAE verfügen wir mit SCT Chemicals über ein hochautomatisiertes Werk, in dem wir neben der Schmierstoffproduktion auch gezielt Kompetenzen im Bereich Additivtechnik aufbauen. Beide Standorte arbeiten unabhängig, aber komplementär. Entscheidend ist dabei die vertikale Struktur. Wir mischen und prüfen die Produkte in eigenen Laboren, produzieren unsere Kunststoffgebinde selbst, füllen ab und steuern die Distribution digital. Gleichzeitig investieren wir in den Ausbau unserer Additivkompetenz, um die Wertschöpfungstiefe künftig auch in diesem Bereich zu erweitern. Diese integrierte Struktur reduziert Schnittstellen, minimiert Fehlerquellen und erhöht unsere Reaktionsgeschwindigkeit, wenn es zum Beispiel um neue Spezifikationen oder Marktanforderungen geht. Zugleich erlaubt uns die geografische Aufteilung, Europa und Amerika primär aus Litauen zu bedienen und Afrika sowie Asien stärker aus Dubai. Das erhöht die Versorgungssicherheit und verkürzt die Lieferwege.
Warum investieren Sie derzeit verstärkt in den Ausbau von Additivkompetenz?
Konstantin Gaab: Additive sind funktional der Kern eines Schmierstoffs. Viele Marktteilnehmer beziehen Additivpakete vollständig extern und setzen sie nach Spezifikation um. Wir haben begonnen, in diesem Bereich eigene Skills und Kapazitäten aufzubauen und einzelne Additivformulierungen in einem begrenzten Umfang selbst zu entwickeln. Es geht uns dabei nicht um einen abrupten Strategiewechsel, sondern um eine schrittweise Erschließung neuer Möglichkeiten. Wir wollen gezielte Optimierungen vornehmen, selbstverständlich im Rahmen der geltenden Normen wie API oder ACEA. Beispiele sind ESTER-basierte Formulierungen oder keramische und molybdänhaltige Additivlösungen. Wir bewegen uns dabei immer im Spannungsfeld zwischen technischer Leistungssteigerung und normativer Konformität. Ein Produkt darf nur so weit optimiert werden, wie es die jeweilige Freigabe zulässt. Wir haben in den vergangenen Jahren massiv in eine moderne Laborinfrastruktur mit automatisierten Misch- und Dosiersystemen investiert – allein im Werk Dubai im zweistelligen Millionenbereich. Dadurch haben wir zugleich auch die Basis geschaffen, um unsere technologische Expertise im Additivbereich voranzutreiben. Unser Ziel ist es, Additivpakete zu entwickeln, die sowohl dem neuesten Stand der Technik als auch wirtschaftlichen Gesichtspunkten gerecht werden. Diese Entwicklung ist für uns kein Selbstzweck, sondern dient der langfristigen Sicherung reproduzierbarer Qualität.
Sie sprechen häufig von Logistik als Wettbewerbsvorteil. Warum ist das für MANNOL strategisch so relevant?
Konstantin Gaab: Die Strukturen im Handel verändern sich derzeit spürbar. Früher haben viele Großhändler umfangreiche Lagerbestände aufgebaut. Heute sind Liquidität und Umschlagshäufigkeit die zentralen Steuerungsgrößen. Händler reduzieren ihre Bevorratung und erwarten von ihren Lieferanten flexible Lösungen. Mit unseren Standorten in Wedel und Braunschweig setzen wir genau hier an. Das sind hochmoderne Logistik-Hubs, in denen wir dank digitaler API-Anbindung Bestellungen bis hin zur Losgröße 1 automatisiert verarbeiten können. Dropshipping, Just-in-Time-Lieferungen und direkte Versandlösungen im Namen des Kunden sind heute Teil unseres Standardangebots. Logistik ist damit kein nachgelagerter Prozess mehr, sondern integraler Bestandteil der Wertschöpfung und ein strategischer Differenzierungsfaktor im B2B-Geschäft. Wer hier effizient arbeitet, kann sich auch in einem stagnierenden Marktumfeld entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern.
Nachhaltigkeit und Elektrifizierung gelten als zentrale Branchentreiber. Wie bewertet MANNOL diese Entwicklungen?
Konstantin Gaab: Elektrifizierung ist ein Faktor, aber global betrachtet kein kurzfristiger Strukturbruch. In vielen Märkten wachsen klassische Antriebe weiter, insbesondere außerhalb Europas. Zudem sind wir nicht ausschließlich im Automotive-Bereich tätig, sondern auch in Industrie, Agrar und Marine. Das Thema Nachhaltigkeit berücksichtigen wir auf mehreren Ebenen. Zum einen tragen wir mit unseren Produkten auf Basis der aktuellen Normen zur Effizienzsteigerung und Emissionsreduktion moderner Antriebssysteme bei. Auf der anderen Seite optimieren wir auch unsere Produkte selbst unter dem Gesichtspunkt der Umweltverträglichkeit. Wir entwickeln beispielsweise biologisch abbaubare Bio-Kettenöle oder HEES-Hydrauliköle für sensible Anwendungen. Gleichzeitig bleibt ein Schmierstoff ein technisch anspruchsvolles Produkt auf Basis definierter Grundöle und Additive. Entscheidend ist, ökologische Anforderungen mit Performance und Betriebssicherheit in Einklang zu bringen.
Wenn Sie fünf Jahre nach vorne blicken: Wo soll MANNOL dann stehen?
Konstantin Gaab:Wir wollen im Markt als verlässlicher Partner wahrgenommen werden, nicht nur als preisgünstige Alternative. Das bedeutet: stabile Lieferperformance, technische Glaubwürdigkeit und eine klare Preis-Leistungs-Positionierung. Der Markt wird sich weiter konsolidieren. Zwischenhandelsstufen werden teilweise verschwinden, digitale Prozesse werden im Gegenzug dominanter. Darauf sind wir dank unserer Investitionsstrategie heute schon bestens vorbereitet. Unser Ansatz ist es, industrielle Kompetenz mit effizienter Distribution zu verbinden. Am Ende geht es immer um Vertrauen und Planungssicherheit. Wenn ein Kunde sagt: „Ich arbeite seit Jahren mit MANNOL und weiß, was ich bekomme“ – dann haben wir unser Ziel erreicht.
Über MANNOL
MANNOL ist eine international erfolgreiche Schmierstoffmarke. Das Sortiment umfasst mehr als 500 Produkte, darunter Motor- und Getriebeöle, Betriebsflüssigkeiten, Autopflegeartikel sowie spezielle Schmierstofflösungen für die Industrie. Seit der Gründung im Jahr 1993 durch Juri Sudheimer in Deutschland steht MANNOL für Innovation, Qualität und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis. Die gesamte Produktion erfolgt aus einer Hand – von der Herstellung bis zur Abfüllung in Metallbehältern und Kunststoffgebinden. Die Produkte von MANNOL werden global vertrieben und sind heute in über 130 Ländern weltweit verfügbar.